Wir sind weiter durch Schottland unterwegs und haben ein paar überraschende und charmante Orte entdeckt: einen tollen Viewpoint über dem Inveraray Castle, ein uriges Pub aus dem Jahr 1705 und ein besonderes Naturschutzprojekt, bei dem man kleine Grundstücke kaufen und sich offiziell Lord oder Lady nennen darf. Ein Mix aus Geschichte, schottischem Wetterchaos und ein bisschen handfester Arbeit im Moor – genau unser Ding.
Inveraray Castle: lieber vom Viewpoint schauen als mitten im Touristenstrom stehen
Das Schloss selbst ist beeindruckend – aber der Moment, der uns am besten gefallen hat, war von oben in den Park zu schauen: ein kleiner Viewpoint oberhalb des Schlosses, von dem aus man die Anlage viel besser überblickt. Wenn möglich, fahrt hier hin oder lauft den kurzen Weg nach oben. Man hat Ruhe, Platz für Fotos und – ganz ehrlich – weniger Touristen.
An einem kleinen Denkmal oberhalb des Sees haben wir noch eine kuriose Geschichte entdeckt: Laut Inschrift handelt es sich um ein viktorianisches Denkmal, das an zwei Clanführer erinnert, die im 16. Jahrhundert von ihren eigenen Leuten ermordet wurden. Die Verantwortlichen wurden schließlich gejagt und getötet, ihre Köpfe sollen den See hinunter zum Standort der Statuen getragen worden sein. Nicht unbedingt ein fröhliches Thema, aber sehr schottisch in seiner Dramatik.
Rätsel und Spurensuche
Such den Stammsitz der Dukes von Argyl, Clanchiefs der Campbells. Ein schottischer König, geschützt von waffenstarrender Pracht, wacht über das Zeugnis derer, die ihm Ehre erwiesen.
Mit dieser kryptischen Zeile hatten wir eine Aufgabe vor Ort. Am Ende fanden wir den Stammsitz und stöberten sogar im Besucherbuch – der letzte Eintrag war allerdings schon älter. Trotzdem hat das Suchen und Entdecken sehr viel Spaß gemacht.

Drovers Inn in Dörfernähe: 1705 gegründet und immer noch Stimmung
Abends landeten wir im Drovers Inn – gegründet 1705 und eine echte Empfehlung für jeden, der gutes Pub-Essen und Live-Musik schätzt. Das Essen war großartig, die Atmosphäre heimelig und es gab sogar Live-Musik, die den Abend perfekt gemacht hat. Praktisch: Auf dem Parkplatz hinter dem Pub kann man kostenlos übernachten, wenn man mit Wohnmobil unterwegs ist.
Probiert ruhig ein Guinness und gönnt euch ein herzhaftes Gericht – wir waren begeistert. Ein Ort, der Tradition und Gastfreundschaft lebt.

Highland Titles Nature Reserve: Lord oder Lady werden und Gutes tun
Das Highland Titles Nature Reserve ist ein Projekt, das uns sofort angesprochen hat. Man kann hier kleine Grundstücke kaufen – schon ab einem Quadratmeter – und damit die Naturschutzarbeit vor Ort unterstützen. Wir haben uns zusammen 5 m² gesichert. Warum? Weil das Geld in Umweltschutz fließt: Aufforstung, Pflege von Feuchtgebieten, ein Igelhospital und andere lokale Naturschutzprojekte.
Ein netter Nebeneffekt: Besitz eines Grundstücks in Schottland berechtigt offiziell dazu, sich Lord oder Lady zu nennen. Wir nehmen’s mit Humor – finden es aber schön, so ein Projekt zu unterstützen.

Unser Besuch im Nature Reserve
Das Gebiet ist teilweise moorig und sehr nass. Um zu den Grundstücken unserer Kinder zu gelangen, gingen wir über kleine Brücken und schmale Pfade – teilweise sehr matschig. Gut, dass wir Gummistiefel dabei hatten. Ein paar Eindrücke:
- Es gibt kleine Hochlandrinder, Schweinchen und hübsche Pfade durch Birkenwald.
- Bestimmte Bereiche sind Schutzgebiet für die schottische Wildkatze – diese Zonen unbedingt meiden.
- Vor Ort wird gelegentlich der Rasen gemäht – wir hatten einen kleinen transportablen Rasenmäher dabei und haben kurzerhand ein Stück gepflegt. (nicht ganz Ernst zu nehmen)
- Der Weg zum Grundstück kann feucht bis sehr nass sein. Mehrmals sind wir durchs Wasser gestapft – also Gummistiefel unverzichtbar.

Praktische Tipps für den Besuch
- Wetter: In Schottland ändert sich das Wetter schnell. Ein kurzer Sonnenschein kann sofort von Regen abgelöst werden. Plant flexibler.
- Schuhe: Gummistiefel sind Gold wert. Die Pfade sind oft matschig und nass.
- Ausrüstung: Ein kleiner, transportabler Rasenmäher ist praktisch, wenn ihr vorhabt, euer Stück zu besuchen und zu pflegen.
- Respekt: Schützt sensible Bereiche wie Wildkatzenhabitate – folgen Sie den Hinweisen vor Ort.
- Übernachtung: Bei Pubs wie dem Drovers Inn gibt es oft Parkmöglichkeiten für Wohnmobile.


Warum sich ein Grundstück lohnt
Abgesehen vom Spaß, Lord oder Lady genannt zu werden, ist das Konzept des Highland Titles einfach sympathisch: Man unterstützt lokale Naturschutzprojekte direkt und bekommt dafür ein kleines Stück Land. Für uns war es eine einfache Entscheidung – wir wollten das Projekt fördern und gleichzeitig ein persönliches Stück Schottland besitzen.
Schnelle Checkliste für den Ausflug
- Gummistiefel und wetterfeste Kleidung
- Wasserfeste Kamera oder Schutz für die Ausrüstung
- Kleine Werkzeuge, falls Pflegearbeiten geplant sind
- Respekt vor Hinweisschildern und Schutzgebieten
- Genug Zeit einplanen: Wege können länger dauern, als die Karte vermuten lässt
Schottland hat so viele Facetten: dramatische Burgen, gemütliche Pubs, und Projekte wie das Highland Titles Nature Reserve, die Naturschutz und ein bisschen humorvolle Tradition verbinden. Für uns war es eine perfekte Mischung aus Entdecken, Anpacken und Genießen.
Bis zum nächsten Mal,
Michaela und Dietmar
