Wir sind weiter Richtung Süden unterwegs, raus aus Chalkidiki und immer näher zur Peloponnes. Weil viele Campingplätze geschlossen sind, bleibt uns aktuell nur Freistehen. Das klingt abenteuerlich und ist es auch: gelegentlich am Rande der Legalität, oft unglaublich schön und immer lehrreich. Hier beschreiben wir unsere Route, die schönsten Stellplätze und ein Highlight, das man so nicht erwartet: die wohl schiefste Kirche der Welt in Ropoto.
Warum wir freistehen (und wie es funktioniert)
Freistehen heißt für uns: mit unserem Bibo – einem Bimobil EX 420 – abseits bewirtschafteter Campingplätze übernachten. Im Herbst sind viele Plätze geschlossen, deshalb suchen wir ruhige Parkplätze, Strandabschnitte oder Bergwiesen. Wichtig ist dabei, respektvoll und umsichtig vorzugehen: keine Müll hinterlassen, die Natur schonen und lokale Regeln beachten.
Praktische Grundregeln, die wir befolgen:
- Immer diskret parken und keine Sperrungen ignorieren.
- Bei Restaurants oder Dörfern nachfragen, ob Übernachtung okay ist.
- Wetter beobachten – starke Regenfälle können Bergwege rutschig machen.
- Stromverbrauch planen, Wasser auffĂĽllen, Akku im Blick behalten.
Unsere Route und ausgesuchte Stellplätze (mit Koordinaten)
Auf dem Weg Richtung Peloponnes haben wir mehrere wunderbare Plätze gefunden. Die Koordinaten helfen, die Spots selbst zu finden:
- Epanomie Beach: 40°22’48.0″N 22°54’34.9″E
- Kozani: 40°18’57.0″N 21°46’25.2″E
- Pyli (bei Trikala): 39°27’35.9″N 21°36’31.9″E
- Karavomylos / Panorama: 38°52’39.3″N 22°41’39.5″E
- Koutros Beach (Achtung Anfahrt beachten): 38°21’03.4″N 22°37’50.0″E
- Kirche Ropoto (schiefe Kirche): 39°25’07.5″N 21°32’31.7″E

Stellplatz-Erlebnisse: Berge, Flussbetten und Meerblick
Ein paar Eindrücke, die euch zeigen, wie unterschiedlich Freistehpunkte sein können:
Bergstellplatz mit 360°-Blick
Auf einem Hügel mit Pavillon und kleiner Kirche standen wir mit freiem Blick über das Tal. Solche Plätze sind perfekt für ruhige Abende, die Hovawart Fayla genießt die Umgebung besonders. Manchmal haben wir ein kleines Restaurant in der Nähe gefunden – praktisch, wenn man nach einer langen Fahrt nicht mehr kochen will.
Steile Abfahrten und technische Herausforderungen
Manche Zufahrten sind richtig knackig: steil, eng und mit Gestrüpp am Wegesrand. Bei einer Abfahrt haben wir das Werkzeug rausgeholt und Sträucher gekürzt, weil Dach-Equipment im Weg war. Tipp: Untersetzung einlegen, niedrige Gänge nutzen und ohne funktionierende Bremsen nie solche Strecken riskieren.
Strandnähe und Herbststimmung
Am Epanomie Beach und an anderen Küstenplätzen zeigt sich Griechenland im Herbst von einer wunderschönen Seite: bunte Bäume, leere Strände und warme Abendsonne. Salz und Sand lassen sich nicht vermeiden – aber Regen wäscht das Meiste wieder runter.
Ropoto: Die schiefste Kirche – ein überraschendes Highlight
In Ropoto, nahe Trikala, steht eine Kirche mit einer Neigung von rund 17 Grad. Das Dorf wurde 2012 von einem verheerenden Erdrutsch betroffen, der viele Häuser verlagert hat. Die Kirche ist besonders eindrucksvoll, weil das Innere erstaunlich unversehrt wirkt.
Ein paar Fakten und Hinweise:
- Die Neigung der Kirche ist größer als die des Schiefen Turms von Pisa.
- Zwischen Dezember 2011 und März 2012 führten starke Regenfälle zur Bodenaufweichung und zum Abrutschen.
- RegierungsmaĂźnahmen und UnterstĂĽtzung blieben nach dem Ereignis fĂĽr viele Bewohner unzureichend.
- Die Position der Kirche: 39°25’07.5″N 21°32’31.7″E.
Besuchertipp: Die Kirche kann von außen und innen besichtigt werden. Ein Fotostopp lohnt sich, und der Ort zeigt eindrucksvoll, wie mächtig Naturprozesse sein können.
Praktische Checkliste fĂĽrs Freistehen mit dem Wohnmobil
Damit die Tour entspannt bleibt, packen wir Folgendes immer griffbereit:
- Werkzeugset und Astschere zum Freimachen der Zufahrt
- Seile, Rangierhilfen und Unterlegkeile
- Reserve-Lampe oder Markierung (wir nutzen eine rote Lampe, um einen Platz zu markieren)
- Wetter-App, Karten und GPS-Koordinaten
- Genug Trinkwasser, Stromreserven und Gasvorrat
- Kamera/Akku-Ladegeräte – gerade in Herbstwetter sind Akkus schneller leer
Tipps fĂĽr die Reiseplanung: Meteora & Co.
Beliebte Ziele wie Meteora ziehen viel Tourismus an. Statt in die überfüllten Klöster zu gehen, planen wir Viewpoints anzufahren, von denen man die Felsformationen und Klöster überschaubar betrachten kann. So bleibt das Erlebnis entspannt und authentisch.
Zum Schluss: Warum es sich lohnt
Freistehen ist nicht nur praktisch, wenn Campingplätze geschlossen sind. Es ist eine Art des Reisens, die Flexibilität, Nähe zur Natur und oft eindrucksvolle Aussichten schenkt. Man muss bereit sein, improvisieren zu können: technische Herausforderungen, Wetter und lokale Besonderheiten gehören dazu. Wer Rücksicht nimmt, vorbereitet ist und die kleinen Abenteuer liebt, wird mit einzigartigen Plätzen belohnt.
Wenn ihr diese Strecke nachfahren wollt: die oben genannten Koordinaten sind die besten Anhaltspunkte. Fahrt vorsichtig, respektiert die Orte und genieĂźt die Freiheit, die so ein Trip bietet.
